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Amnesty International - Wie alles begann...

1961 las der Peter Benenson, Londoner Rechtsanwalt und Parlamentsabgeordneter, von der Verhaftung zweier Studenten. Die beiden Portugiesen hatten in einem Lokal in Lissabon auf die Freiheit angestossen und waren von einem anderen Gast denunziert worden.

Peter Benenson war empört und handelte. Am 28. Mai 1961 erschien in der britischen Sonntagszeitung "Observer" ein ganzseitiger Artikel mit dem Titel "Die vergessenen Gefangenen".

"An jedem Tag der Woche können Sie die Zeitung aufschlagen, und Sie werden einen Bericht über jemanden finden, der irgendwo in der Welt gefangengenommen, gefoltert oder hingerichtet wird, weil seine Ansichten oder seine Religion der Regierung seines Landes nicht gefallen. Es gibt Millionen dieser Gefangenen - keineswegs nur hinter dem "Eisernen" oder dem "Bambus-Vorhang" - und ihre Zahl wächst. Wer das in der Zeitung liest, fühlt sich auf ekelerregende Weise hilflos. Doch wenn diese Gefühle des Abscheus in der ganzen Welt vereint werden und zu einer gemeinsamen Aktion führen könnten, wäre es möglich, etwas Wirkungsvolles zu tun."

Angesehene Zeitungen in aller Welt druckten den Artikel nach, der zur Mitarbeit bei "Appeal for Amnesty" aufrief.

Die Resonanz war überwältigend. In dem von Benenson eingerichteten Büro gingen viele tausend Briefe aus den verschiedensten Ländern der Welt ein. Bald war klar, daß "Appeal for Amnesty" nicht befristet sein konnte: Die Organisation "Amnesty International" entstand.

Benensons Idee war, daß sich engagierte Menschen in Gruppen zusammenschließen und gemeinsam für die Freilassung gewaltloser politischer Gefangener arbeiten sollten. Mit diesem Begriff waren alle politischen Gefangenen gemeint, die weder Gewalt angewandt noch dazu aufgerufen hatten. Jede Gruppe erhielt die vom zentralen Büro in London recherchierten Unterlagen von drei Einzelfällen: ein Häftling stammte aus einem westlich orientierten Land, ein zweiter aus einem kommunistischen Staat, ein dritter aus einem Entwicklungsland. Damit sollte nach außen die Neutralität der Organisation glaubwürdig dokumentiert und den betreffenden Regierungen die Grundlage für eines ihrer Standardargumente entzogen werden: daß die Organisation ein Propagandainstrument des ideologischen Gegeners sei.

Die Idee, daß Gruppen einzelne Häftlinge "adoptieren", sich für ihre Freilassung einsetzen und ihren Familien beistehen, erwies sich für Leute, die einen konkreten Beitrag zur Verteidigung der Menschenrechte leisten wollten, als sehr attraktiv. Ende 1961 gab es in mehreren Ländern insgesamt bereits 50 Amnesty-Gruppen.

In der Bundesrepublik wurde Amnesty International im August 1961 gegründet. Initiatoren waren hier mehrere Kölner Journalisten, unter ihnen Carola Stern, Peter Bender und Gerd Ruge. Das Engagement der Gründer entsprang häufig den persönlich erlebten Schrecken der Nazi-Zeit oder des Stalinismus. Andere sahen in der Mitarbeit einen Ausdruck christlicher Verantwortung.

Gemeinsam war und ist allen Mitgliedern die Überzeugung, daß es unabhängig von den eigenen politischen Anschauungen eine internationale Verantwortung für die Menschenrechte gibt, daß Regierungen Menschenrechtsverletzungen nicht als ihre innere Angelegenheit betrachten können.

 

 

 

1977 erhielt Amnesty International den Friedensnobelpreis für ihren Beitrag zur "Sicherung der Grundlagen für Freiheit, für Gerechtigkeit und damit auch für den Frieden in der Welt".

 

 

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